Bekleidungshinweise für Herren
 

zum Ball: Gala-Anzug (Farben jeweils dunkel bis schwarz für Anzug und Krawatte, strahlendes weiß beim Hemd, Weste entweder dunkel/schwarz oder weiß) oder Gala-Uniform (mit Koppel ohne Anhänge, evtl. kann auch der 'Sash' dazu getragen werden). Weiße Handschuhe und schwarze (Halb-)Schuhe.

im Detail:

Die Abendgarderobe des Herrn

Die Abendgarderobe des Herrn änderte sich kaum in der Zeit von 1860 bis zur Jahrhundertwende. Erst im 20. Jahrhundert wurde der Smoking allmählich gesellschaftsfähig.

Von ca. 1860 bis 1920 war die passende Abendkleidung eine Art „Einheitsgarderobe“, die aus folgenden Kleidungsstücken bestand:

Ein schwarzer Frack, eine kleine weiße, saubere Fliege, eine schwarze oder weiße, tief ausgeschnittene Weste mit Schalkragen (bei der Wahl des Westen-Farbtons gab es etwas persönlichen Spielraum – schwarz war allerdings am weitesten verbreitet), schwarze Hosen und ein weißes, gestärktes Hemd. Nur der Kragen veränderte sich in dieser Zeit und folgte der jeweiligen Mode.

Paradoxerweise war die zivile Abendgarderobe wesentlich einheitlicher und genormter, als die Militäruniformen zur damaligen Zeit. Diese waren sehr farbenfroh und prächtig. Es gab eine fast unbegrenzte Vielfalt und die Uniformen wurden je nach Anlaß ausgestattet (z. B. Galauniform). Doch dies ist ein zu vielschichtiges Thema, um es hier auszuweiten. Zusammenfassend muß man sagen, daß die Abendgarderode des zivilen Herrn vergleichsweise langweilig und farblos war.

Es begann um das Jahr 1800 herum, daß farbige Herrenbekleidung für den Abend immer mehr durch schwarze Kleidung ersetzt wurde; ab 1840 herum war schwarz vorherrschend. Bis ca. 1850 waren Kniehosen mit schwarzen Seidenstrümpfen ein unerläßliches Abend-Accessoire, dann wurden sie durch lange Hosen ersetzt. Bis in die 1850erJahre durfte die Krawatte schwarz oder weiß sein, aber ab 1860 war weiß oder gebrochenes weiß die erste Wahl.

Diese ganze Zeit hindurch bis ins 20. Jahrhundert trug der Herr leichte Schuhe ohne Absatz, keine Schürschuhe. Man bekommt Sie heute noch bei hochwertigen Herrenausstattern; hier kennt man sie als „Opern-Schuhe“.

Außerhalb geschlossener Räume trug man zur Abendgarderobe einen Zylinder und einen Übermantel.

Weiße oder blass-farbige Handschuhe waren ein wesentliches Zubehör, denn eine Dame beim Tanzen mit bloßen Händen zu berühren, galt als schlechtes Benehmen. Außerdem bestand die Gefahr, das Ballkleid mit Schweiß zu beschmutzen.

Schwarze Abendwesten wurden fast ausschließlich aus feinem Wollstoff hergestellt. Weiße Westen konnten aus Baumwolle, Leinen, leichtem Wollstoff, Seide oder irgendeinem anderen Stoff sein, der weiß war. Die Stoffe durften ein eingewebtes Muster haben, das Muster war aber üblicherweise Ton-in-Ton.

Farbige Westen, mit oder ohne grelle Drucke, wie man sie heutzutage als Abendgarderobe oder in Westernshops sieht, wurden damals nicht am Abend getragen.

Knöpfe an schwarzen Jacken, Mänteln und Westen waren gewöhnlich schwarz, hatten eine flache Vorderseite und waren mit Seide überzogen – der Seidenstoff konnte schlicht oder gemustert sein. Weiße Westen hatten weiße Knöpfe.

Hemdknöpfe durften aus Gold, Diamanten oder sonstwie prachtvoll sein; aber die Knöpfe an Weste und Jacke sollten sehr dezent sein.

Im 19. Jahrhundert hatten die Hosen im allgemeinen einen sehr einfachen, geraden, hoch in der Taille ansetzenden Schnitt. Es gab nur wenige modische Veränderungen (um 1860 waren sie weiter geschnitten, als in den 1880er).

Hier nun ein paar Zitate aus zeitgenössischen Quellen:

„Ein feiner Herr trägt seine Morgen- oder Reisegarderobe bis 18.00 oder 19.00 Uhr. Dann zieht er sich für den Abend um.“

(Everybody’s Book, 1893)

„Die Abend- oder Galakleidung des Herrn ist schwarz und besteht aus einem Frack, einer tief ausgeschnittenen Weste, einer weißen Krawatte und weißen oder blass-farbenen Glacé-Handschuhen. Die Vorderseite des Hemdes sollte weiß und glatt sein; Die Kragen- und Manschettenknöpfe einfach. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Haar geschenkt werden, welches weder kurz noch lang sein sollte. Es ist aber auf jeden Fall besser, das Haar etwas zu kurz zu tragen, denn zu langes Haar vermittelt den Eindruck der Affektiertheit, zerstört die Form der Gesichtszüge und hat einen Hauch von Geschmacklosigkeit. Ob es sich nun um ein großes Abendessen, einen Ball oder einen Besuch in der Oper handelt, die Abendgarderobe bleibt in jedem Fall gleich. In einigen Kreisen wird indessen die Abendgarderobe als zu fein angesehen, und in diesem Fall ist es gut, sich den anderen anzupassen. Sonntags wird die Morgenkleidung getragen und an diesem Tag der Woche wird von keinem Herrn erwartet, daß er in Abendgarderobe erscheint, weder in der Kirche, noch zu Haus oder unterwegs. Auf Handschuhe wird bei einem Abendessen verzichtet. Zart-farbige Handschuhe werden bei der Abendgarderobe den weißen vorgezogen.“

(Our Deportment, 1882)

„Die Kleidung, in der ein Herr sich in einem Ballsaal präsentieren kann, läßt nur wenig Auswahl zu, sodaß es sich in wenigen Worten beschreiben läßt:

Er muß einen schwarzen Frack tragen, schwarze Hosen, eine schwarze Weste, eine schwarze oder weiße Krawatte, Glacé-Handschuhe und leichte Lederschuhe.

Es ist selbstverständlich, daß die Ballgarderobe aus bestem Stoff besteht und der Schnitt der neuesten Mode entspricht. Die Weste sollte tief ausgeschnitten sein, sodaß ein Teil der Front des Hemdes enthüllt wird. Kleine Gold- oder Diamant-Hemdknöpfe dürfen verwendet werden und machen einen guten Eindruck. Zuviel Schmuck zeugt von schlechtem Geschmack. Eine hübsche Uhrenkette, vielleicht mit wenigen kostspieligen Anhängern verziert und eine Garnitur Hemdknöpfe, sind die einzigen Zierden dieser Art, die ein feiner Herr tragen sollte. Parfum sollte nur für das Taschentuch verwendet werden, und es sollte sehr dezent sein.“

(Prof. M.J. Koncen’s quadrille call book and ball-room guide, 1883)

“Wenn ein Herr eine Abendeinladung bekommen hat, kommt er nicht in die Verlegenheit, sich zu fragen wie er sich kleiden soll. Er braucht nicht zu überlegen, ob er rosa oder blau tragen soll, oder ob andere bemerken, daß er die gleiche Garderobe trägt, wie die letzten drei Male zuvor. Die Mode hat für ihn festgesetzt, daß er am Abend immer in einen schwarzen Anzug gekleidet sein soll und erlaubt ihm lediglich eine weiße Weste als gelegentliche Abwechslung in seiner Garderobe. Seine Krawatte muß weiß sein oder einen blassen Farbton haben. Zuviel Schmuck muß vermieden werden, aber er darf goldene oder diamantene Knöpfe tragen und eine Uhrenkette. Er darf auch eine Blume im Knopfloch tragen. Dies ist eine von sehr wenigen erlaubten Möglichkeiten, seine Erscheinung ein wenig herauszuputzen.

Schlicht und einfach wie diese Kleidung ist, hat sie sich als äußeres Erscheinungsbild des feinen Herrn bewährt. Der Mann, der jeden Abend seines Lebens in Abendgarderobe speist, wirkt natürlich und lässig in dieser Kleidung, wohingegen ein Mann, der erst spät in seinem Leben zu dieser Kleidung greift, darin meistens wie ein Kellner aussieht.“

(The Ball Room Guide, 1860)

Übersetzt von „Miss Betti“ – Vielen Dank

Kleidung Herren